Fleischkonsum – differenziert betrachtet
von Dr. Niels Kohlschütter, Lioba Degenfelder
unter Mitarbeit von Ulrich Mück
Das Fleisch von Tieren in der Landwirtschaft ist grundsätzlich zu unterscheiden in das von Tieren, die Futtermittel fressen, die auch als Nahrung für den Menschen geeignet sind und das von jenen Tieren, die Futter fressen, welches Menschen nicht essen können. Das eine sind die Monogastrier, zum Beispiel Schweine oder Hühner, die überwiegend Getreideprodukte vom Ackerland fressen und das andere sind Wiederkäuer, wie zum Beispiel Kühe, die natürlicherweise überwiegend Gras fressen.
Je nachdem, ob Nutztiere also in direkter Nahrungskonkurrenz zum Menschen stehen, muss man die Nahrungsmittel von diesen Tieren unterschiedlich bewerten.
Druck auf Ackerflächen steigt
Die Flächenkonkurrenz wird sich vor allem auf die Ackerstandorte beziehen. Denn in Deutschland wurde in den Jahrzehnten vor 2013, also vor dem gesetzlichen Umbruchsverbot durch die GAP-Reform, viel Grünland zu Acker umgebrochen, so dass heute nur noch 30% der landwirtschaftlichen Flächen Grünland sind. Dies sind überwiegend sogenannte Grenzstandorte, die sich nicht für den Ackerbau eignen. Sowohl das gesetzliche Umbruchsverbot als auch die geringe Eignung und Rentabilität der verbliebenen Grünlandstandorte als Acker macht eine Ausweitung der Ackerflächen für die Ernährungssicherung kaum möglich.
Im Anbetracht der oben genannten Zahlen wird es zukunftsweisend sein, auf diesen Ackerflächen weniger Futtermittel anzubauen. Dies bedeutet in der Folge einen Rückgang der Schweine- und Hühnerbestände.
Für möglichst geschlossene Nährstoffkreisläufe braucht es Dauergrünland oder den Anbau von Leguminosen. Diese bieten sich als Futterflächen für Rinder an, die daraus zusätzlich Milch und Fleisch für die menschliche Ernährung erzeugen.
Zunehmende Flächenkonkurrenz vor allem bei Ackerflächen
Auf den Agrarflächen in Deutschland nimmt der Futtermittelanbau eine zentrale Stellung ein: Auf über 50% der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland werden Futtermittel angebaut. Davon entfallen 28,5% auf Dauergrünland und 21,5% auf Ackerflächen auf denen Futtermittel angebaut werden.
In Zukunft wird die Flächenkonkurrenz weiter zunehmen. Ackerflächen werden aktuell gebraucht für den Anbau von menschlicher Nahrung, von Futtermitteln, für die Energiegewinnung (z.B. Mais für Biogasanlagen, Photovoltaik), stärkehaltige Produkte wie Kartoffeln für Kunststoffe oder Miscanthus, der neben der energetischen auch für die stoffliche Nutzung geeignet ist.
Auf den Agrarflächen in Deutschland nimmt der Futtermittelanbau eine zentrale Stellung ein: Auf über 50% der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland werden Futtermittel angebaut. Davon entfallen 28,5% auf Dauergrünland und 21,5% auf Ackerflächen auf denen Futtermittel angebaut werden.
Eine überwiegende Fütterung mit Gras ist von zentraler Bedeutung
Bei der Haltung von Rindern sind zwei Faktoren besonders zu beachten. Einerseits geht es um die Intensität der Fütterung und zum anderen um die Art der Haltung.
In der Rinderhaltung ist zu unterscheiden zwischen Produktionsverfahren, die auf die Maximierung der Leistung fokussieren und dazu Futtermittel mit hohen Energie- und Eiweißgehalten einsetzen. Das sind in der Regel Futtermittel von Ackerflächen wie Getreideschrot, die im Stall gefüttert werden. Sowie Produktionsverfahren, die extensiver sind, stärker auf eine Leistung aus dem Grundfutter setzen und damit wesentlich auf Grünland, Wiesen und Weiden basieren.
Der Unterschied der Fütterung verschiedener Produktionsverfahrens lässt sich anhand der sogenannten Proteinkonvertierungseffizienz darstellen. Diese gibt an, wie viel für den Menschen verwertbares Protein aus Futtermitteln generiert wird, die nicht für die menschliche Ernährung geeignet sind. Gleichzeitig lassen sich aus diesem Faktor auch Umweltleistungen ableiten. Siehe Artikel
Die Weide bietet Rindern genügend Raum, um sich gemäß der Sozialordnung ihrer Herde zu verhalten oder für die Kuh-Kalb Beziehung.
Die Weidehaltung macht den Unterschied- auch für das Tier
Bei Rindern ist weiterhin zu unterscheiden, zwischen Haltungsformen, bei denen die Rinder ausgiebig auf die Weide kommen und solchen Haltungssystemen mit ganzjähriger Stallhaltung oder mit geringem Auslauf der Tiere in denen die Fütterung überwiegend im Stall erfolgt und der Auslauf nicht zur Futteraufnahme der Tiere dient.
Die Weidehaltung ist aber auch von großer Bedeutung für das Tier selbst. Die Weide ist der natürliche Lebensraum der Rinder. Auf ihr können sie ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben. Sie können sich frei bewegen, fressen und liegen, so wie es ihrer Natur entspricht.
Der Anteil von Dauergrünland und Ackerland weltweit, in Deutschland und im Ökolandbau im Vergleich
Im Ökolandbau ist der Anteil des Dauergrünlands mit 52% im Vergleich zum Bundesdurchschnitt mit 29% deutlich höher.
Insofern hat die Nutzung des Öko-Grünlands und die damit verbundene Rinderhaltung hier eine besonders wichtige Rolle.
Verbindliche Weidepflichten
Weide ist verpflichtender Bestandteil der Öko-Rinderhaltung die in der höchsten Stufe des Tierwohl-Labels eingeordnet ist.
Die darunter liegende Stufe 4 des Tierwohl-Labels hat eine Auslauf-, aber keine Weideverpflichtung.
(Initiative Tierwohl GmbH o. J.), (StMELF, 2025)
Die Produktion von einem Liter Öko-Milch ist mit ca. 25-30 g Rindfleisch verbunden. Daher ist es wichtig, dass der Verzehr von Rindfleisch zur Milchproduktion passt
Fleisch- und Milchkonsum müssen zusammenpassen
Damit Kühe Milch geben, bekommen sie jährlich ein Kalb. Die männlichen Kälber und auch die meisten weiblichen Kälber gehen in die Mast, da nur wenige weibliche Tiere für die Nachzucht gebraucht werden. Somit führt die Milchproduktion gleichzeitig zur Fleischproduktion. Die Produktion von einem Liter Öko-Milch ist mit ca. 25-30 g Rindfleisch verbunden. (Mück, 2021)
Milch ohne Fleisch ist nicht möglich.
Die Nachfrage nach ökologischen Milchprodukten ist deutlich höher als nach Bio-Rindfleisch. Dies bedeutet, dass viele Bio-Kälber in die konventionelle Mast verkauft werden.
Fazit
Fleischkonsum und dessen Umweltwirkungen bedarf einer differenzierten Betrachtung. Unter Aspekten der Flächenkonkurrenz um Nahrung, steigendem Druck auf Ackerflächen sowie den Umweltleistungen von nachhaltig bewirtschafteten Weiden und Wiesen, ist Rindfleisch aus Weidehaltung mit einer geringen Kraftfutterzugabe von maximal 180g pro Tier und Tag dem Schweine- oder Geflügelfleisch zu bevorzugen.
Die Weidehaltung zeigt die größten Synergieeffekte zwischen Lebensmittelproduktion und Umweltleistungen im Vergleich zu einer Haltung und Fütterung, die auf maximale Leistung setzt. Das sind Effekte wie zum Beispiel eine ausgewogenere Stoffstrombilanz hinsichtlich Stickstoffes oder Phosphor, die sich wiederum positiv auf die Biodiversität auswirken.
Die Bedeutung des Grünlands und der Beweidung sind allerdings kein Freifahrtschein für „esst so viel Rindfleisch wie möglich“. Es kommt auf die Haltungsform und Fütterungsintensität an, auf das Verhältnis von Milch- zu Rindfleischprodukten, auf die Menge des verfügbaren Grundfutterangebots (Gras) und auf einen Konsum, der die Einhaltung der planetaren Grenzen ermöglicht.
Hier finden Sie die verwendeten Quellen
Quellenangaben
- Umweltbundesamt (o. J.) Wie wird die landwirtschaftliche Fläche in Deutschland genutzt? Umweltatlas – Landwirtschaft in Deutschland. Verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/umweltatlas/umwelt-landwirtschaft/einfuehrung/landwirtschaft-in-deutschland/wie-wird-die-landwirtschaftliche-flaeche-in (Zugriff: 03.06.2026).
- Tergast, H., Hansen, H. und Gidalova, D. (2025): Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Milchkühe. Braunschweig: Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, 19 S.
- Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) (2025): EU-Weidepflicht für Biobetriebe gilt – aber wir brauchen eine Härtefalllösung in der EU-Öko-Verordnung. Pressemitteilung vom 13.02.2025. Verfügbar unter: https://www.stmelf.bayern.de/service/presse/pm/2025/eu-weidepflicht-fuer-biobetriebe-gilt/index.html (Zugriff: 07.05.2026).
- Initiative Tierwohl GmbH (o. J.): Haltungsform – Informativ, transparent, bewusst. Verfügbar unter: https://www.initiative-tierwohl.de/magazin/tierwohl/haltungsform/ (Zugriff: 07.05.2026).
- Mück, U. (2021): Milch und Fleisch in den Einkaufskorb!. In: Ökologie & Landbau, 01/2021, S. 30–32.